Einige Gedanken zum vergangenen Schuljahr 2025/2026
«Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist nur Information.»
Albert Einstein (1879–1955)
Vor einem Jahr haben wir Ihnen an dieser Stelle eine neue Führungs- und Organisationsstruktur angekündigt. Nun dürfen wir auf das erste Jahr zurückblicken, in dem wir sie tatsächlich gelebt haben. «Wir organisieren uns für die Zukunft» lautete das Motto – heute können wir sagen: Wir sind in dieser Zukunft angekommen und haben begonnen, uns darin einzurichten. Mit den neu geschaffenen Lehrgangsleitungen ist eine Führungsebene entstanden, welche die operative Steuerung und Koordination des Unterrichts in den einzelnen Lehrgängen übernimmt, die Lehrpersonen bei der Umsetzung neuer Lernmethoden unterstützt und die Vernetzung mit unseren Bildungspartnern pflegt. Der Schulleitung verschafft dies den nötigen Freiraum, sich vermehrt der Gesamtleitung und der Schulentwicklung zu widmen. Ein solcher Umbau gelingt nicht über Nacht; er verlangt Geduld und die Bereitschaft aller, sich auf Neues einzulassen – beides haben wir im vergangenen Jahr in erfreulichem Mass erlebt.
Schon wieder Einstein? Aufmerksame Leserinnen und Leser werden es bemerkt haben: Bereits im vergangenen Jahr haben wir Albert Einstein zitiert. Dass wir den berühmten Physiker bewusst ein weiteres Mal bemühen, hat seinen guten Grund: Kaum jemand bringt treffender auf den Punkt, worum es uns geht. Und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem die künstliche Intelligenz unseren Schulalltag so stark prägt wie nie zuvor. KI liefert in Sekundenschnelle Information – doch Bildung, davon sind wir überzeugt, entsteht erst aus Erfahrung: aus dem Ringen mit einer Aufgabe, aus dem Gespräch, aus dem Begleiten und Begleitetwerden. «Menschen unterrichten Menschen» bleibt unser Leitgedanke, auch und gerade im Zeitalter der Maschinen. Damit dies gelingt, haben wir im vergangenen Jahr zahlreiche Weiterbildungsprojekte durchgeführt, um unsere Lehrpersonen im Umgang mit KI zu stärken. Das Ziel ist nicht das Verbot, sondern die sinnvolle Nutzung – im Unterricht ebenso wie bei schriftlichen Arbeiten, die uns als Berufsfachschule besonders herausfordern. Letztlich geht es darum, unsere Lernenden für eine Arbeitswelt fit zu machen, in der diese Werkzeuge selbstverständlich dazugehören.
Wie real diese Herausforderung ist, hat sich beim Abschluss der Reform in der kaufmännischen Grundbildung gezeigt. Das Qualifikationsverfahren fand erstmals vollständig digital statt – mit offenem Lehrmittel, offenem Internet und, ja, auch offener KI. Was nach einem Experiment klingt, war organisatorisch wie technisch ein Kraftakt und zugleich ein Meilenstein: Geprüft wird nicht mehr das Auswendiggelernte, sondern der kompetente Umgang mit verfügbarem Wissen. Dass dieser Übergang gelungen ist, verdanken wir dem grossen Einsatz aller Beteiligten – von der Vorbereitung über die Technik bis zur Durchführung. Zugleich hat uns diese erste Durchführung wertvolle Erkenntnisse gebracht: Ein Prüfungsformat, das gerade erst geboren ist, ist noch nicht in allen Belangen ausgereift – und wir sind überzeugt, dass es einer sorgfältigen Weiterentwicklung bedarf, damit es hält, was die Reform verspricht.
Stillstand ist ohnehin nicht vorgesehen. Mit der Berufsmaturitätsreform 2030 hat uns bereits das nächste grosse Entwicklungsfeld erreicht: Der neue Rahmenlehrplan und die revidierte Berufsmaturitätsverordnung treten auf das kommende Schuljahr in Kraft. Entsprechend galt es, unsere Schullehrpläne an die neuen Vorgaben anzupassen – eine umfangreiche Arbeit, welche insbesondere die Fachschaften der BM-Fächer im vergangenen Jahr stark gefordert hat. Auch baulich ziehen die Reformen und der zunehmend handlungskompetenzorientierte Unterricht Konsequenzen nach sich: Wir haben zusätzliche Gruppenräume geschaffen, um den neuen Unterrichtskonzepten – kooperatives Arbeiten, selbstorganisiertes und projektartiges Lernen – auch räumlich gerecht zu werden.
Schulentwicklung zeigt sich schliesslich auch nach aussen. An der Bündner Berufsausstellung Fiutscher haben wir uns gemeinsam mit den übrigen Berufsmaturitätsschulen des Kantons – der Gewerblichen Berufsschule Chur (GBC), dem Bildungszentrum Gesundheit und Soziales (BGS), dem Bildungszentrum Surselva in Ilanz (BZS) und der Kaufmännischen Berufsschule Oberengadin in Samedan (KBO) – mit einem Stand zur Berufsmaturität präsentiert. Ein schönes Beispiel dafür, dass wir die Zukunft der Berufsbildung im Kanton nicht im Alleingang, sondern in Kooperation gestalten.
Was hier in wenigen Zeilen angedeutet ist, gibt selbstredend nur einen kleinen Einblick in ein reiches und forderndes Jahr. Es bleibt uns, allen von Herzen zu danken, die auf irgendeine Art und Weise an der Ausbildung unserer Lernenden mitwirken: den Lehrbetrieben und Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern, unseren Lehrerinnen und Lehrern, unseren Mitarbeitenden der Administration, dem Vorstand und nicht zuletzt den Lernenden selbst, die uns Tag für Tag daran erinnern, wofür wir diese Arbeit tun.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns weiterhin über einen guten Kontakt.
Jann Hartmann, Präsident des Vorstands
Die Schulleitung KV Chur / im Juli 2026
Jann Hartmann, Präsident des Schulvorstands

Schulleitung KV Chur: von links: Giuseppe Valenti, Co-Rektor, Christoph Vesti, Co-Rektor und David Tarntuzer, Leiter Zentrale Dienste